„Der andere Aspekt stiller Meditation liegt in dem Wunder, dem zu begegnen, was nicht konditioniert ist, dem, was sich jenseits von Fantasie und Erinnerung befindet. Still sitzen, ohne Verlangen und Angst, jenseits des Zeitgefühls, ist unermessliches, grenzenloses Sein, das weder dir noch mir gehört. Es ist frei und ungebunden, wirft Licht auf das konditionierte Sein, sieht es an, ohne sich jedoch einzumischen. Das Sehen ist das Tun. Sehen ist Verändern. Nicht das, was gesehen wird, ist wesentlich, sondern dass da Schauen ist, das offenbart, was ist, so wie es ist, im Lichte von Weisheit und Mitgefühl, zu wunderbar, um es in Worte zu fassen.“  

– Toni Packer

 

All zu oft fühlen wir uns von uns selbst, von anderen und vom Leben getrennt. Obwohl das gar nicht unserer wahren Natur entspricht! Im tiefsten Inneren sind wir mit allem verbunden. Aber dieses Gefühl von Verbundenheit, nach dem wir uns so sehr sehnen, ist verschüttet, verhüllt und verdeckt von einer Vielzahl an Schichten, bestehend aus Widerständen, Bewertungen, Urteilen, Verwirrungen … so wie eine Zwiebel, in der eine Perle verborgen liegt. Diese Perle, Ihr wahrer Wesenskern, lässt sich entdecken durch Meditation.

Meditation ist nichts besonderes. Zu meditieren bedeutet nicht, sich auf eine besondere Weise hinzusetzen, auf eine besondere Weise zu atmen oder irgendwelche Mantren zu murmeln. Meditation bedeutet:

– Bewusst sein

– Achtsam sein

– Empfänglich sein

– Präsent sein

– Verbunden sein

– Zentriert sein

– Fokussiert sein

– Aufmerksam sein

Sie können jederzeit im Alltag meditieren, indem Sie ohne zu zögern und ohne Widerspruch in den Strom des Lebens eintauchen. In der Natur, im Leben gibt es keine Entfremdung, keine Trennung. Alles ist miteinander verbunden. Nur wir als menschliche Wesen halten uns abseits von diesen Naturvorgängen. Wir haben unsere Zivilisation, unsere Kultur, unsere persönlichen Vorlieben und Pläne, unser tagtägliches, mentales und emotionales Durcheinander. Wir trennen uns vom Lauf der Dinge, obwohl wir uns nach Liebe, nach Verbundenheit, Verständnis und Teilnehmen sehnen.

Wir stehen uns selbst im Weg, indem wir zuviel zweifeln, an unseren Begierden festhalten und unseren Stolz nach außen kehren. Dadurch verursachen wir unsere Entfremdung selbst.

In der Zwischenzeit fliesst das Leben weiter. Lassen Sie los! Lernen Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst und absichtsvoll zu lenken. Das geht jederzeit im Alltag. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach außen, weg von Ihren Sorgen, Bedürfnissen und Befindlichkeiten.

Indem Sie lernen, Ihre Aufmerksamkeit bewusst und absichtsvoll zu lenken, lassen Sie Ihre normalen, alltäglichen dualistischen Muster los – den Ursprung aller Probleme – und tauchen ein in die Einheit des Lebens. Dort ist Ihr wahres Zuhause.

Wenn Sie lernen, Ihre Aufmerksamkeit bewusst und absichtsvoll zu lenken, geben Sie die Trennung zwischen sich und anderen auf – es gibt da niemanden mehr, der wahrnimmt und wahrgenommen wird; niemanden, der betrachtet und keinen Gegenstand der Betrachtung. Es existiert nichts außerhalb von Ihnen, es gibt keinen Unterschied zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit. Es gibt nur noch Wahrnehmung. SEIN. Die Perle, die Sie sind.

 

Das ist das TAO, von dem Laotse im Tao Te King spricht:

„Demnach enthüllt sich dem erwartungslosen Blick

Stets der Beweg-Grund;

 

Dem erwartungsvollen Blick aber enthüllt sich

Stets die Begrenzung.“

– Tao Te King 1

 

Darum nennt man es

Die Form des Formlosen,

Das Abbild des Wesenlosen.

Darum nennt man es schemenhaft, entgleitend.

Wer ihm gegenüber steht, sieht nicht seinen Anfang.

Wer ihm nachfolgt, sieht nicht sein Ende.“

– Tao Te King 14

 

Und Deng Ming Dao, ein zeitgenössischer taoistischer Weiser, meint dazu:

„Die höchste Meditation ist die Erkenntnis, dass wir selbst leer von Unterscheidungen sind und das Bewusstsein unserer Identität nichts anderes als das Ergebnis dualitischer Verhaftung ist. Zugleich sollten wir auch begreifen, dass es in Wirklichkeit nichts zu meditieren und nichts zu betrachten gibt.“

 

Letztlich haben alle Meditationen und Bewusstseinsübungen zwei Ziele:


1.
Fixierte Aufmerksamkeit zu befreien und

2. Freie Aufmerksamkeit absichtsvoll zu steuern bzw. auszudehnen.

 

Alle Schwierigkeiten und herausfordernden Situationen im Leben können mit drei ganz einfachen Schritten gehandhabt werden:

Aufmerksamkeit – Absicht – Ausrichtung


1.
Sie stellen fest, wo sich Ihre Aufmerksamkeit gerade befindet.

2. Sie beschließen, auf was Sie Ihre Aufmerksamkeit richten wollen.

3. Sie richten Ihre Aufmerksamkeit bewusst und absichtsvoll aus.

 

„Irgendwann werden wir uns immer stärker des Vorgangs des Bewusstwerdens bewusst und die Objekte treten in den Hintergrund. Wir sind uns des Bewusstseins bewusst. Das ist Gewahrsein. Wir lauschen und tauchen ein in die Stille.“   – Richard Stiegler

 

Drei Meditationsanleitungen:

Präsenz – in der Tiefe des Seins

Die nachfolgenden drei Kurzmeditationen dienen dem Üben von Achtsamkeit und Präsenz. Sie können nacheinander oder auch jede für sich allein geübt werden:

1. Betrachten Sie etwas eine Zeitlang aufmerksam und gewinnen dabei den Eindruck, wie sich die Entfernung zwischen Ihnen und dem Gegenstand Ihrer Betrachtung zunehmend verringert.

2. Betrachten Sie etwas aufmerksam. Erkennen Sie Ihren Standpunkt als ‚hier‘ und das, was Sie betrachten, als ‚dort‘. Lassen Sie ‚hier‘ und ‚dort‘ zusammenfließen, bis es nur noch ein umfassendes HIER gibt.

3. Seien Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit völlig bei dem, was Sie tun. Machen Sie sich keine Gedanken um den Ausgang Ihres Tuns, noch sorgen Sie sich um irgendein Ergebnis.

 

Entspannen und ausdehnen

Schauen Sie sich um in dem Raum, in dem Sie sich gerade befinden – betrachten Sie alle Wände, den Boden und die Decke und bemerken jeweils etwas, das Sie zuvor nicht bemerkt haben. Nehmen Sie den gesamten Raum und den gegenwärtigen Augenblick mit allen Sinnen wahr – was gibt es alles zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu riechen und zu schmecken?

Dann…

– entspannen Sie Ihre Augen und lassen Ihren Blick weich und offen werden, ohne etwas Bestimmtes zu fokussieren;

– richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Raum, der Sie umgibt;

– stellen Sie sich vor, dass Sie sich in diesen Raum, der Sie umgibt, hinein ausdehnen;

– stellen Sie sich vor, dass Sie dieser Raum sind;

– erlauben Sie sich die Wahrnehmung, völlig von diesem Gefühl der Ausdehnung durchdrungen zu sein;

– werden Sie sich darüber bewusst, dass Sie sich des Gefühls der Ausdehnung bewusst sind – seien Sie grenzenlos.

 

Sanfte Faszination

Kommen Sie innerlich zur Ruhe und entwickeln in sich ein Gefühl von sanfter Faszination. Es ist eine ganz leichte, sanfte Schwingung, nicht irgendwie im Sinne von überbrausender Euphorie oder Begeisterung, sondern etwas ganz Leises, Leichtes. Ein klein wenig Staunen und Bewunderung schwingt da noch mit, und auch noch ein ganz klein bisschen Ehrfurcht.

Dann richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas oder jemanden und betrachten es (oder sie/ihn) mit diesem Gefühl sanfter Faszination.

Mit diesem Gefühl können Sie auch bestimmte Situationen und sogar Gedanken und Gefühle betrachten, und, mit etwas Übung, auch unangenehme Gefühle und Begebenheiten. Genießen Sie 🙂

 

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