Wie das Leben funktioniert – und weshalb es manchmal nicht funktioniert

„Erlauben Sie mir ohne Vorbehalt zu sagen, dass, wenn die Menschen aufmerksam wären, wenn sie sich wirklich bemühten, jeden Augenblick ihres Lebens aufmerksam zu sein, sie die Welt aufs Neue entdecken würden. Sie würden plötzlich sehen, dass die Welt völlig verschieden ist von dem, was sie geglaubt hatten, dass sie es sei.“ – Jacques Lusseyran

Einer der faszinierendsten und zugleich mysteriösesten Aspekte unseres Daseins ist Achtsamkeit bzw. Aufmerksamkeit. Zugleich ist es eine weitgehend vernachlässigte Dimension für Glück und Erfolg in allen Bereichen unseres Lebens! Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens, ohne der Achtsamkeit genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Und das hat Folgen.

Um den immer größer werdenden Herausforderungen unseres Lebens angemessen begegnen zu können, sollten wir verstehen, wie Achtsamkeit und Aufmerksamkeit funktionieren. Und wir sollten diese Fähigkeiten verbessern. Und dabei werden Sie die nachfolgenden praktischen Übungen dieses Kurz-Workshops unterstützen.

 

„Die Qualität deines Lebens hängt von der Qualität deiner Aufmerksamkeit ab. Auf was auch immer du deine Aufmerksamkeit richtest, wird wichtiger in deinem Leben werden.“ – Deepak Chopra

 

Achtsamkeit ist das Herz des Lebens

Was hat es mit Achtsamkeit auf sich?

Weshalb ist Achtsamkeit das Herz des Lebens?

Und welche Folgen hat es, wenn wir der Achtsamkeit zu wenig Aufmerksamkeit schenken?

 

Schauen wir mal, was uns diese kleine Zen-Geschichte enthüllt:

Eines Tages fragte ein Mann den Zen-Meister Ikkyu: „Meister, wollt Ihr mir bitte einige Grundregeln der höchsten Weisheit aufschreiben?“ Ikkyu griff sofort zu Pinsel und Papier und schrieb: „Aufmerksamkeit“. „Ist das alles?“, fragte der Mann. „Wollt Ihr nicht noch etwas hinzufügen?“ Ikkyu schrieb daraufhin: „Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit.“ „Nun“, meinte der Mann ziemlich gereizt, „ich sehe wirklich nicht viel Tiefes oder Geistreiches in dem, was Du gerade hinzugefügt hast.“ Da nahm Ikkyu den Pinsel und schrieb: „Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit.“ Verärgert wollte der Mann nun wissen: „Was bedeutet dieses Wort ‚Aufmerksamkeit‘ überhaupt?“ Und Ikkyu antwortete sanft: „Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit.“

Achtsamkeit bedeutet, dass Sie mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit völlig bei dem sind, was Sie gerade tun. Was immer Sie gerade tun, können Sie mit völliger Präsenz tun. Beim Gehen können Sie jeden einzelnen Schritt bewusst spüren, wenn Sie sitzen, dann spüren Sie, wie Sie sitzen, am Computer können Sie spüren, wie Sie die Tasten mit jedem Ihrer Finger anschlagen – alle großen und kleinen Alltagshandlungen lassen sich achtsam ausführen, was zu Entspannung und Gelassenheit führt und Ihr Gefühl von Lebendigkeit stärkt.

Achtsames, konzentriertes Handeln führt zu einem effektivem Umgang Ihrer Kräfte und Energien und lässt Sie Ihren Alltag weniger erschöpft erleben.

Ein großer Gelehrter fragte einst einen Zen-Meister, wie er Achtsamkeit im Leben übe. „Ganz einfach“, antwortete dieser, „wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich arbeite, dann arbeite ich, und wenn ich schlafe, dann schlafe ich“. „Aber das machen doch alle“, entgegnete der Gelehrte ihm, „was soll daran denn so besonderes sein?“ „Das stimmt nicht,“ hielt der Meister ihm entgegen, „die meisten Menschen sind beim Essen mit ihren Gedanken ganz woanders, bei der Arbeit denken sie an den Feierabend, und in der Nacht finden sie keine Ruhe, weil sie an den nächsten Arbeitstag denken müssen.“

 

Wie Aufmerksamkeit funktioniert

Es gibt zwei Zustände von Aufmerksamkeit: freie, fließende Aufmerksamkeit und fixierte, festgefahrene Aufmerksamkeit.

Wenn Ihre Aufmerksamkeit frei fließen kann, läuft Ihr Leben rund. Sie fühlen sich im Fluß und erreichen mühelos die Ziele, die Sie erreichen wollen. Leichtigkeit. Flow.

Wenn Ihre Aufmerksamkeit hingegen festgefahren ist, wird alles sehr anstrengend. Sie mühen sich ab. Sie kämpfen. Sind erschöpft. Anstrengung. Stress.

Es ist wie mit Klettverschlüssen und Teflon – an Klettverschlüssen bleiben die Sachen haften, wo hingegen über Teflon alles mühelos hinweg gleitet. So ist es auch mit Ihrer Aufmerksamkeit. Die folgenden Übungen bieten Ihnen die Möglichkeit, dies auf praktische Weise kennenzulernen und zu vertiefen.

 

Übung 1 – Wie verhält sich Ihre Aufmerksamkeit im Alltag?

1. Entspannen Sie sich und lassen Ihren Blick umherschweifen. Bemerken Sie, woran Ihre Aufmerksamkeit haften bleibt und bemerken Sie auch, über was sie mühelos hinweg gleitet.

2. Wiederholen Sie die Übung, und lassen Sie jetzt die Ereignisse der vergangen Tage vor Ihrem inneren Auge vorüberziehen.

Wie verhält sich Ihre Aufmerksamkeit? An was bleibt sie haften, was lässt sie weiter gleiten?

Und welche Schlüsse können Sie aus Ihren Erkenntnissen ziehen, insbesondere in Hinblick auf das, was Ihnen wichtig ist?

Diese Übung in aller Tiefe zu erforschen, wird Ihnen wertvolle Rückschlüsse hinsichtlich Stress und Misserfolg vs. Mühelosigkeit und Leichtigkeit erlauben.

 

Übung 2 – Seien Sie wach und wählen bewusst

Entscheiden Sie sich für das, was Ihnen wirklich Glück, Erfüllung und Erfolg bringt. Da sind so viele Dinge, die Ihre Aufmerksamkeit verschlingen, daher seien Sie wach und wählen ganz bewusst.

 

Ganz praktisch:

Was zieht Ihnen Aufmerksamkeit ab?

Wo wählen Sie nicht bewusst?

Stellen Sie sich zwischendurch immer wieder mal die folgenden drei Fragen, um sich zu orientieren und ggf. neu auszurichten:

– Wo ist Ihre Aufmerksamkeit?

– Wo könnte sie sein?

– Wo soll sie jetzt sein?

 

Schüler: „Meister – wie kann ich in Zen eintreten?“ „Hörst du das Murmeln des Baches?“ „Ja, Meister.“ „Dort ist der Eingang.“

 

Übung 3 – Aufmerksamkeit schulen

Um Ihre Aufmerksamkeit zu schulen, wählen Sie ein Objekt in Ihrer Umgebung. Untersuchen Sie es. Bemerken Sie jede noch so kleine Einzelheit. Jedes Detail. Stellen Sie noch mehr Interesse bereit. Bleiben Sie dabei entspannt.

Entspannen Sie sich noch mehr. Und seien Sie noch ein kleines bisschen interessierter.

Mühelos. Entspannt. Interessiert.

Und nun entdecken Sie etwas an dem Objekt, das Sie bisher nicht bemerkt hatten. Genießen Sie die Freude des Erkennens.

 

Variation 1: Machen Sie die Übung während eines Spaziergangs an der frischen Luft. Bemerken Sie, was es alles zu entdecken gibt.

Variation 2: Machen Sie diese Übung mit anderen Menschen. (Entscheiden Sie selbst, wie auffällig oder unauffällig Sie andere beobachten wollen.)

Variation 3: Machen Sie diese Übung mit Gedanken und Gefühlen. (Hinweis: Sie intensivieren dabei Ihr Interesse, nicht das jeweilige Gefühl bzw. den jeweiligen Gedanken!)

 

Teil 3: Meditation – Geborgen im Sein

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