Der Mythos des Alterns

 

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt –
Jugend ist ein Geisteszustand.
Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie, Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.

Niemand wird alt,
weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat.
Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.

Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel.
So jung wie dein Selbstvertrauen, so alt wie die Furcht.
So jung wie deine Hoffnungen, so alt wie deine Verzagtheit.

Solange die Botschaften der Schönheit,
Freude, Kühnheit und Größe dein Herz erreichen,
solange bist du jung.

(Albert Schweitzer)

 

Der Arzt, Körpertherapeut und Feldenkraislehrer Thomas Hanna hat zum Thema Altern (nicht ganz so poetisch wie Albert Schweitzer und doch sehr treffend) den Begriff der „Sensomotorischen Amnesie“ geprägt und beschreibt damit, wie der zunehmende Verlust des Bewusstseins für den eigenen Körper zu den allseits bekannten körperlichen Verfallserscheinungen und Alterungsprozessen führt.

U.a. beschreibt er mit dem von ihm sogenannten „Stop-Reflex“ eine frühzeitig erlernte angst- und stressbedingte Rückzugsreaktion des Körpers, die zu einer Dauerkontraktion der Rumpfbeugemuskulatur führt und dadurch zu einer massiven Beeinträchtigung der inneren Organe, des kardio-vaskulären Systems, der Atmung usw., was insgesamt den Alterungsprozess maßgeblich mitbedingt und erheblich beschleunigt.

„Ich behaupte, dass sensomotorische Amnesie eine Kategorie von Gesundheitsproblemen beschreibt, die bis jetzt noch nicht angemessen erkannt worden sind. Dennoch sind diese Gesundheitsprobleme wahrscheinlich für mehr als die Hälfte aller menschlichen Leiden verantwortlich. Die sensomotorische Amnesie beschreibt eine Art des Leidens, das im Rahmen der gängigen medizinischen Traditionen nicht diagnostiziert und behandelt werden kann. Sie stellt einen somatischen Befund dar, der keine Behandlung, sondern Erziehung erfordert.“
(Thomas Hanna)

Aus meiner Zeit als Ergotherapeut in der Geriatrie kann ich das nur bestätigen!

Ich arbeite derzeit an einem Programm, dass sich u.a. die Erkenntnisse von Th. Hanna zunutze macht und in ein umfassendes Body-Mind-System integriert. Demnächst mehr dazu!

Siehe auch Die Weisheit des Körpers

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Das Kreuz ist ein mächtiges Symbol und ein besonderes Thema in diesen Ostertagen

Das Kreuz steht aber auch für das, was uns trägt und hält im Leben und uns oft genug große Schwierigkeiten bereitet: unser Rücken bzw. unsere Wirbelsäule.

Ich arbeite an einem neuen Projekt zum Thema „Rückenbeschwerden“ und bitte Dich um Deine Meinung und Deine Erfahrung mit Rückenbeschwerden aller Art. Solltest Du mit Rückenbeschwerden keine (persönlichen) Erfahrungen haben, weil Du einen wunderbar funktionierenden Rücken hast, dann freue ich mich, auch davon zu hören 🙂

Und wenn Du aber, wie die meisten Menschen in unserem Kulturkreis, über einschlägige Erfahrungen mit Rückenbeschwerden, diesbezügliche Einschränkungen, (therap.) Maßnahmen etc. verfügst, dann nimm Dir bitte einige Minuten Zeit und teile Deine Gedanken unten im Kommentarfeld. Vielen Dank!

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Schwerkraft als Weg in die Stille

Eine sehr einfache Möglichkeit, den eigenen Körper als Weg in die Stille zu nutzen, ist die Schwerkraft der Erde zu nutzen, um sich von innen her aufzurichten. Die Beziehung zwischen Schwerkraft und unserem Körper ist eine Konstante, die sich zwangsläufig auf unser gesamtes Verhalten auswirkt. Lebenslang bleibt unser Körper mit Bewegungen und Beziehungen zur Schwerkraft beschäftigt.

Und ob sich unser Körper leicht oder schwer, auf angenehme oder auf erschöpfende Weise bewegt, ist abhängig davon, wie angemessen oder unangemessen wir uns dem Einfluss der Schwerkraft gegenüber verhalten. Angemessen verhalten wir uns, wenn wir die Ausrichtung unseres Körpers so organisieren, dass wir den Widerstand und die Tragfähigkeit des Bodens nutzen. Intellektuell wissen wir zwar, dass uns der Boden trägt … ob wir dies aber auch wahrnehmen und empfinden und uns entsprechend verhalten, ist eine andere Frage.

Probieren Sie es doch gleich mal ganz praktisch aus

Ganz gleich, ob Sie jetzt liegen oder sitzen oder stehen – empfinden Sie, dass Sie dabei vom Boden getragen werden? Fühlt sich Ihr Körper an wie einer, der sich tragen lässt? Oder braucht es dazu eine gewisse Anspannung? Wie viel Muskelkraft benötigen Sie tatsächlich, um sich auf mühelose Weise aufgerichtet und getragen zu fühlen?

Der Zustand, zu dessen Aufrechterhaltung wir nicht ständig Muskelkraft einsetzen müssen, wird als Gleichgewicht bezeichnet. Im Gleichgewicht zu sein fühlt sich leicht und angenehm an. Wenn wir uns vom Boden gestützt und getragen erleben, benötigt unser Körper keine Aufmerksamkeit mehr, um sich mit Anstrengung und Muskelkraft aufzurichten. Und dieses Erleben von Nicht-Anstrengung führt unmittelbar in die Stille.

Machen wir uns also immer wieder deutlich, dass, solange wir uns im Gravitationsfeld der Erde aufhalten, Schwerkraft ununterbrochen und unmittelbar auf uns einwirkt. Und unser Verhalten zur Schwerkraft, ob angemessen oder unangemessen, entscheidet über die Qualität unseres Seins. Darüber also, ob wir es körperlich leicht oder schwer haben und wie entspannt und innerlich still wir dabei werden können.